Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich Teil einer Generation von herbei geredeten Rabenmüttern. Ich glaube nicht, dass eine der Mamas, die sich Sorgen macht, dass sie eine Rabenmutter ist, so bezeichnet werden darf. Aber irgendwie ist es gar nicht so einfach Mama zu sein. Ständig bekommt man das Gefühl eingeredet, dass man, wie auch immer man sich entscheiden hat,was auch immer man gemacht hat, egoistisch oder nachlässig ist. Dass man eine Rabenmutter ist.
Beispiel: Gläschenkost oder selber kochen?
Nehme ich Gläschen, dann kriege ich zu hören, dass ich doch gar nicht wüsste, was in dem Gläschen drin ist, dass ich damit ungesunde Lebensmittelvorlieben mitbeeinflusse und dass ich doch eigentlich zu faul zum selber kochen wäre.
Koche ich selber, gibt es Leute, die mir erzählen, dass ich doch gar nicht sicher sein könne, dass in dem Essen genug Vitamine, Spurenelement und andere wichtige Dinge sind, dass ich nicht sicher sein könne, dass es nicht gespritzt wurde, dass es Bioessen ist.
Wie mans macht, macht mans falsch und es gibt immer jemanden, der mir einreden wollen wird, dass meine Entscheidung falsch war, dass ich eine Rabenmutter bin.
Beispiel: Kinderkrippe/Tagesmutter oder zuhause bleiben?
Meine Tochter wird einen Tag vor ihrem ersten Geburtstag ihren ersten offiziellen Krippentag haben. Ich finde Krippe gut und bin der Überzeugung, dass es Kinder nicht schadet, wenn sie früh intensiven Kontakt zu anderen Kindern bekommen. Ich finde es wichtig, Kinder mit anderen Kindern zusammen zu bringen, sie lernen viel von einander. Doch muss ich mir sagen lassen, dass ich mich bestimmt irre und mein Kind sich da nicht gut fühlen wird. Dass es gar nicht sein kann, dass sie ,bei unserem kurzen Besuch neulich, schon so begeistert gewesen ist, dass sie am liebsten dageblieben wäre. Dass ich mein Kind abschiebe und es doch so unglaublich wichtig wäre, die ersten drei Jahre bei dem Kind zu bleiben. Dass ich im Endeffekt eine Rabenmutter bin.
Da es für mich immer ausser Frage stand, zuhause zu bleiben, kann ich jetzt nicht sagen, welche Argumente man um die Ohren gehauen bekommt, wenn man sein Kind zuhause behält. Es gibt auch da bestimmt sonderbare Sachen, die man sich anhören muss.
Es gibt Tage, da kommen diese Sprüche tatsächlich an mich ran. Da fühle ich mich wie eine Rabenmutter. Ich bin aber keine. Ich liebe meine Tochter mehr als alles andere auf der Welt, sie ist der wichtigste Mensch in meinem Leben (und ich dachte lange Zeit, dass niemand wichtiger als meine geliebte Oma sein könnte). Und ich bin unsicher wie nur etwas, ob ich alles richtig mache. Deswegen koche ich derzeit so ungerne für sie und vertraue lieber den Gläschen, denen ich aber auch extrem skeptisch gegenüberstehe. Ein echtes Dilemma für mich.
Aber weil ich mein Kind so liebe, gebe ich sie in die Krippe. Ich merke derzeit immer mehr, wie sehr es mich belastet, dass ich den ganzen Tag zu Hause bin und maximal kurze Gespräche mit Nachbarn oder Verkäufern im Supermarkt habe. Ich will wieder arbeiten und ich glaube, dass meine Tochter mehr von einer Mama hat, die einen halben Tag etwas anderes zu tun hat und geistig wieder mehr gefordert wird.
Vielleicht kann man mich als Rabenmutter sehen. Vielleicht auch einfach als unsichere Mutter. Aber ist man nicht immer unsicher in neuen Lebenssituationen? Es gab keine Gebrauchsanleitung für mein Kind, ich kann nichts anderes tun, als nach meinem Gefühl zu handeln. Und wenn ich mein glückliches Baby sehe, dann handel ich richtig.
Es ist schade, dass so oft versucht wird, irgendwelche Entscheidungen und Beschlüsse, die man für/wegen seinem Kind trifft, schlecht zu reden, dass so oft versucht wird, die Rabenmutter einzureden. Es ist schade, dass ich mich fühlen muss, wie ein Teil einer Generation herbeigeredeter Rabenmütter.